Salkantay Trek – Grenzerfahrung in den peruanischen Anden

Fünf Tage Wandern, etwa 80 Kilometer erwarteten uns bei diesem Trek. Quer durch die Anden, auf bis zu 4.600 Metern mit dem großen Finale Machu Picchu. Schon vor dem Start des Treks haben wir von vielen gehört, es sei eine der schönsten Wanderungen überhaupt und das war sie definitiv! Schneebedeckte Gipfel, über 6.000 Meter hohe Gletscher, türkisblaue Lagunen, Kolibris im Regenwald und die beeindruckendste Inkastätte der Welt – wie soll das auch noch übertroffen werden?!

Doch was erstmal idyllisch klingt, hat uns mehrfach an unsere Grenzen gebracht. Darum sei eins direkt vorab gesagt: Die Wanderung ist absolut kein Zuckerschlecken!

Etwa 3 Wochen vorher haben wir den Entschluss gefasst, Machu Picchu auf diese Weise zu besichtigen und uns über WhatsApp mit dem Anbieter über die Details und den Preis ausgetauscht und dann 3 Tage vorher in Cusco vor Ort, alles 100% klar gemacht.
Aufgrund von Corona war dies glücklicherweise spontan super möglich – ursprünglich musste man diese Wanderung bereits mehrere Monate im Voraus buchen. 

An Tag eins wurden wir bereits um 4.30 Uhr bei unserer Unterkunft abgeholt und fuhren mit unserer Wandergruppe etwa 3 Stunden zum Startpunkt der Wanderung auf ca. 3.500 Meter. Die Wanderung ging direkt steil los, bis zu unserem Camp mussten wir insgesamt 400 Höhenmeter überwinden und bei der Höhe kann das schnell mal anstrengend werden, denn die Luft ist ganz schön dünn! 

Von Anfang an wurden wir mit traumhaften Ausblicken über die Anden bis zum gigantischen Humantay-Gletscher belohnt. Allerdings hatte ich wirklich arge Probleme mit der Höhe, mein Herz raste, alle zehn Schritte musste ich anhalten, um Luft zu holen… Keine Ahnung was trotz tagelanger Akklimatisierung in Cusco mit mir los war. Nach etwa einer Stunde kam ich also bereits das erste Mal an meine Grenzen 😀 Na das kann ja was werden die nächsten 5 Tage..

Ein paar Schnappatmungen später haben wir es dann aber wohlbehalten ins Camp geschafft und die Kulisse war wirklich spektakulär, inmitten von zwei riesigen Gletschern, direkt in den Anden, in kleinen Kabinen mit Glasdach, sollten wir die Nacht verbringen. 

Doch bevor die Nacht eingeläutet wurde, ging es am Nachmittag noch weitere 300 Höhenmeter hinauf zur Lagune Humantay. Unsicher ob ich das auch wirklich schaffen würde, da ich am Vormittag bereits große Probleme mit der Höhe hatte, machten wir uns relaxt auf den Weg, hielten alle paar Meter an, brauchten fast doppelt so lang, wie unser Guide sagte, aber schafften es trotzdem zur paradiesischen Lagune, die bei Sonnenschein in verschiedenen Türkistönen erstrahlte! Dafür hat sich der Aufstieg absolut gelohnt!

Aufgrund der Lage mitten in der Natur wurden wir in der ersten Nacht mit einem der schönsten Sternenhimmel belohnt, die wir je gesehen haben! Die Milchstraße war super klar zu sehen! Was für ein erster Tag!

Da Tag 1 mich ganz schön geschafft und ich noch immer Probleme mit Herzrasen und dem Atmen hatte, entschied ich mich die anstehenden 700 Höhenmeter nicht zu Fuß, sondern mit dem Pferd zurückzulegen. Das kostete zwar extra, aber ich wusste anders würde ich es nicht schaffen. Matze ging also mit der Wandergruppe und unserem Guide Carlos zu Fuß und ich schwang mich aufs Pferd und konnte diese besondere Kulisse auf eine zusätzlich besondere Weise genießen!

Für alle die ebenfalls Probleme an Tag eins hatten oder sich diesen Teil des Treks etwas erleichtern wollen, ist die Alternative mit dem Pferd definitiv eine super Möglichkeit! Ich bin unglaublich froh mich so entschieden zu haben!

Oben auf knapp 4.600 Metern am Salkantay Pass angekommen, war der Anblick der Wahnsinn! Wir hatten großes Glück mit dem Wetter und konnten freie Sicht auf den Salkantay-Gletscher und die umliegenden Berge genießen, bevor es anschließend für 5 Stunden insgesamt rund 1.700 Meter bergab ging, zu unserem zweiten Camp.

Beim Bergab gehen machten sich die Wanderstöcke mehr als bezahlt! Es ging wirklich steil ab und mit den Stutzen konnten wir die Beine entlasten und uns an den besonders rutschigen Stellen zusätzlichen Halt geben.

Die Landschaft veränderte sich in den 5 Stunden dramatisch! Von schneebedeckten Anden ging es über zu grünen Hügeln, am Fluss entlang, inklusive ein paar Kolibri-Begegnungen.

In Camp zwei erwarteten uns kleine Glamping-Zelte, die wieder mit Glasdach ausgestattet waren, allerdings war der Himmel sehr bedeckt in der Nacht, sodass wir leider keine Sterne sehen konnten.  

An Tag drei machte sich der Muskelkater bemerkbar, jeder Schritt schmerzte, Matze hatte Probleme mit seinem Knie und wir waren heilfroh, dass heute ein etwas ruhigerer Tag anstand mit nur 5 Stunden Wandern 😀 

Wir wurden wie jeden morgen mit Coca-Tee um 5 Uhr geweckt, was aber in Anbetracht dessen, dass wir immer bereits um 20 Uhr schlafen gehen erträglich war. 

Gegen Mittag erreichten wir Camp 3, umgeben von Kaffeeplantagen und saftig grünen Hügeln. Was bleibt da anderes übrig als eine kleine spontane und für uns völlig unerwartete Kaffeetour? Wir durften selbst ein paar Bohnen pflücken, sie rösten, mahlen und anschließend den köstlichen Kaffee der Region auch probieren! 

Für den Nachmittag gab es die Option 1,5 Stunden über Schotterpiste zu heißen Quellen zu fahren (nicht im Preis inbegriffen) oder im Camp zu relaxen. Matze und ich entschieden uns für kaltes Bier und die Hängematte, alle anderen aus unserer Gruppe machten sich auf zu dem Quellen, sodass wir die Ruhe und Idylle im Camp komplett für uns genießen konnten. 

Diese Nacht verbrachten wir in normalen Zelten, die Temperaturen von Nacht eins haben sich mittlerweile erwärmt, sodass wir uns nicht mehr komplett im dicken Schlafsack verkriechen mussten. Und auch die Sterne und die Milchstraße zeigten sich in dieser Nacht wieder besonders klar!

An solchen Orten könnten wir ewig bleiben, mitten in der Natur, ohne Internet und Verbindung zur Außenwelt einfach im Hier und Jetzt! 

Tag 4: Der Muskelkater, die Blasen an den Füßen und die Schmerzen im Knie wurden nicht weniger. Daher entschieden wir aus dem härtesten Tag einen etwas lockereren Tag zu machen, was durch die verschiedenen Optionen glücklicherweise ohne Probleme möglich war. Statt 700 Höhenmeter rauf und wieder runter, haben wir den Berg umfahren und sind direkt bei Hidroelectrica eingestiegen, von wo aus wir ansonsten erst am Nachmittag nach Aguas Calientes, dem Machu Picchu-Dorf gewandert waren. 

11 Kilometer wanderten wir relativ eben an den Bahnschienen entlang, durchquerten den Dschungel, sahen Amazonen, Kolibris, Agutis und Co. Konnten erste Blicke auf Machu Picchu von unten werfen, ein Picknick am Fluss machen und erstarrten vor den mächtigen Klippen um uns herum.

Gegen Mittag erreichten wir Aguas Calientes, konnten unsere erste heiße Dusche nehmen, denn die Unterkunft war zu unserer Überraschung kein billiges Hostel, sondern ein schönes Hotel. Da die anderen aus unserer Wandergruppe erst am Abend ankommen werden, blieb noch Zeit die Stadt zu erkunden und die Beine etwas zu entspannen, um Energie zu tanken, für den krönenden Abschluss morgen früh!

Tag 5: Um 4:30 Uhr wanderten wir vom Hotel aus los. 30 Minuten bis zum Eingang von Machu Picchu, wo Tickets und Pass überprüft wurden. Und von da an etwa eine Stunde die knapp 2.000 Stufen hinauf! Die 70 Kilometer der letzten 4 Tage lagen uns ordentlich in den Knochen und wir mussten wieder einige Pausen einlegen, aber trotzdem haben wir es pünktlich um 6.00 Uhr nach oben geschafft! 

Und es war einfach WOW!! Wir waren fast die ersten, die die Anlage betraten, es herrschte magische Ruhe an diesem faszinierenden Ort. Das Wetter hätte besser nicht sein können, wir konnten den Sonnenaufgang sehen, die goldene Stunde für Fotos mit Machu Picchu nutzen und es kaum glauben – wir sind wirklich hier! Ein Traum wurde war! Machu Picchu, wir haben es geschafft, nach vier langen Wandertagen, einem unglaublichen Trek, an dem wir das ein oder andere mal gezweifelt haben, aber über uns hinausgewachsen sind. Glücklicher hatten wir nicht sein können!

Wir nahmen uns ausgiebig Zeit, insgesamt 4 Stunden verbrachten wir bei Machu Picchu. An jeder Ecke warteten noch spektakuläre Views auf uns! Wir hatten noch viel länger hier bleiben können, doch leider ist der Besucher-Pfad one way 😀

Anschließend ging es zu Fuß alle Stufen wieder runter und wir konnten noch einen Machu Picchu-Stempel für unseren Reisepass organisieren, Mittagessen bevor uns der Panoramazug von Aguas Calientes nach Ollantaytambo brachte, von wo aus uns der Shuttle zurück in die Unterkunft in Cusco brachte. Hier fielen wir todmüde ins Bett und mussten all diese surrealen Eindrücke erstmal verarbeiten! Was für ein Trek!!

Insgesamt hat uns dieses einzigartige Erlebnis 180 Euro pro Person gekostet und dafür haben wir folgendes bekommen:

  • Guide für die vollen 5 Tage
  • Eintritt Machu Picchu
  • Rückfahrt nach Cusco mit Zug + Shuttle Option
  • Täglich 4 frisch zubereitete Mahlzeiten (Frühstück, Lunch, Happy Hour und Abendessen)
  • Kaffee und Tee satt
  • Abholung an Tag 1 in Cusco vom Hotel
  • Unterkünfte für 4 Nächte
  • Transport von Gepäck mit dem Esel von bis zu 5kg pro Person
  • warmer Schlafsack
  • Wanderstöcker 

Optional kam folgendes hinzu:

  • Alkoholische Getränke
  • Trinkgeld
  • Weitere Snacks
  • Heiße Quellen an Tag 3 + Shuttle dorthin
  • Bus statt Treppe hoch zu Machu Picchu (12$ one way)
  • Heiße Duschen an Tag 1-3
  • Shuttle an Tag 4, um Auf- und Abstieg zu umgehen
  • Reiten an Tag 2, zum Salkantay Pass

Es ist schwer all das erlebte in die richtigen Worte zu fassen, unsere Gefühle und Erfahrungen auf diese Weise zu vermitteln. Aber eins ist klar, obwohl wir (besonders ich) an meine Grenzen gekommen bin, bin ich dankbar für diese Erfahrung und das wir zu diesem Trek aufgebrochen sind! Wir können ihn absolut empfehlen! Denn glücklicherweise gibt es auf dem Weg ein paar Optionen, die zwar extra kosten, aber die gewisse Teile deutlich erleichtern, sodass man spontan auf sein körperliches Befinden reagieren kann. Und so kann jeder den Trek so für sich gestalten, wie es sich am besten anfühlt und so dass man es gewiss zu Machu Picchu, dem großen Finale an Tag fünf schafft!

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